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Wattenmeer – das Naturschutzgebiet zwischen Holland und Dänemark

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Dezember 6, 2021

Was ist ein Wattenmeer? Ein einzigartiger Naturraum im Nordwesten Europas

Das Wattenmeer ist die Bezeichnung für das Binnenmeer nahe der Küste im Bereich der südöstlichen Nordsee zwischen den friesischen Wattinseln und dem offenen Meer sowie dem Festland Deutschlands, Dänemarks und der Niederlande. Das gut 500 Kilometer lange, durchschnittlich ungefähr 20 Kilometer breite und insgesamt etwa 10.000 km² große Gebiet des Wattenmeers erstreckt sich zwischen der Gemeinde Den Helder in der Provinz Nordholland in den Niederlanden und der Hafenstadt Esbjerg in Jütland und der Region Syddanmark in Dänemark. Von der Fläche sind etwa 7.500 km² sog. „Gezeitenland“ aus Sandbänken und Watt, ca. 1.100 km² Inseln und Eilande verschiedener Größe, 350 km² Salzwiesen und Sommerpolder sowie Fahrrinnen. Dieses Wattenmeer mit den deutschen Nationalparks in Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein, dem niederländischen „Staatsnatuurmonument Waddenzee“ und dem dänischen Nationalpark „Vadehavet“ wurde in den Jahren 1991 bis 2014 nach und nach als UNESCO-Biosphärenreservat und Weltnaturerbe anerkannt. Im internationalen Vergleich zum Beispiel mit den Wattgebieten am Ärmelkanal und an der irischen See, an den Atlantikküsten Nordafrikas (Mauretanien), Nordamerikas (Bay of Fundy, Cape Cod Bay) sowie Südamerikas (Mündungsdelta des Flusses Essequibo in Guyana) und in Ostasien (Gelbmeerküste in Korea, Kurilen) handelt es sich beim europäischen Wattenmeer um die diesbezügliche größte Naturregion ihrer Art auf der Welt.

Holzsäulen am Wattenmeer

Das Wattenmeer wird vor allem durch erstaunliche Wandelbarkeit charakterisiert

Typisch für das Erscheinungsbild des Wattenmeers sind die bei Ebbe trocken fallenden Sandbänke, die durch mehr oder weniger tiefe Rinnen getrennt sind. Entlang der Küste findet sich meist ein Streifen Schlamm. Bei jeder Flut wird das Salzwasser der Nordsee durch die Gezeitenzonen zwischen den Wattinseln nach oben gedrückt. Zur Erklärung der einstigen Entstehung des Wattenmeers bedarf es eines kurzen historischen Exkurses: Während der kältesten Periode am Ende der letzten Eiszeit vor etwa 18.000 Jahren lag der Meeresspiegel mehr als 100 Meter unter seinem heutigen Niveau. Der Grund der Nordsee war damals weitgehend eben. Danach schmolzen langsam die Eiskappen, der Meeresspiegel stieg an und das Schmelzwasser konnte in die Nordsee fließen. Vor ca. 7.000 Jahren befand sich die Küstenlinie dann ungefähr dort, wo sie auch heute ist. Wellenbewegungen und Gezeiten transportierten Sedimente aus dem Meer an die Küste. Dieses Sediment wurde entlang der Küste und im nahe gelegenen Hinterland abgelagert, das dadurch jedes Mal etwas höher lag und nicht vom rasch ansteigenden Meeresspiegel überflutet wurde. In der Deutschen Bucht und entlang großer Teile der niederländischen sowie flämischen Küste entstanden Wattflächen mit Gezeitenrinnen (Seegraben) und Salzwiesen. Der Meeresspiegel stieg weiter an und vor ca. 5.000 Jahren entstanden im Westen der Niederlande die ersten durchgehenden Sandbarrieren. Die Gezeitenkanäle im Hinterland sind größtenteils verlandet und die ehemaligen Watt- und Salzwiesen wurden von einem Torfmoor bedeckt. In den nördlichen Niederlanden war die Situation anders: Hier waren die Sandbarrieren nicht zusammenhängend, sondern wurden immer wieder von Gezeitenrinnen unterbrochen, die in das dahinter liegende Watt- und Wiesengebiet führten. Diese unterbrochenen Sandbarrieren bilden den Kern der meisten Wattinseln. Die Wattenmeerregion war in den letzten 7.000 Jahren immer dynamisch. Die Gezeitenkanäle haben sich regelmäßig verlagert und auch die Grenzen der Watt- und Salzwiesenregion sowie die Lage der Watteninseln haben sich regelmäßig verschoben.

Schon die Römer waren von der Eigenart des Wattemeers nachhaltig beeindruckt

Das Wort Wattenmeer ist verwandt mit dem lateinischen Wort „vadum“, was so viel wie „Ort, den man durchwaten kann“ bedeutet. Das Gebiet, das heute als Wattenmeer bekannt ist, wird seit dem 16. Jahrhundert in den Niederlanden als ‚t Wad, de Watten oder Wadden bezeichnet. Im Allgemeinen wird es nach seinen jeweiligen geografischen Regionen und Teilbereichen unterschieden, z. B. in friesischer Wad, Groninger Wad oder Uithuizer Wad. Der Begriff „Waddenzee“ tauchte in den Niederlanden erst im 19. Jahrhundert auf. Der heutige Name leitet sich wahrscheinlich vom deutschen Wort Wattenmeer ab, das erstmals 1859 von dem seinerzeit auf Sylt tätigen Lehrer und Publizisten C.P. Hansen verwendet wurde. Das Wort Waddenzee wird seit Anfang des 20. Jahrhunderts verwendet, um den nördlichen Teil der damaligen Zuiderzee zu bezeichnen. Der Name erscheint erstmals offiziell im Fischereigesetz von 1908. Als dieses Gesetz in Kraft trat, wurde festgelegt, dass die Grenze zwischen der Zuiderzee und der Waddenzee die Linie vom Leuchtturm De Ven bis zur Windmühle auf dem Rode Klif bei Laaxum ist. 1926 legte eine Staatskommission die Ausdehnung der Zuiderzee auf der Grundlage hydrografischer Phänomene fest. Als Nordgrenze des Gebiets wurde die Furt zwischen der friesischen Küste und der Insel Terschelling festgelegt. Diese Definition der um das friesische Wattenmeer vergrößerten Zuiderzee durch die Staatskommission unterschied damals drei Teilbereiche: den „Kom“ im Süden, die „Waddenzee“ im Norden und deren Übergangsgebiet. Somit wurde das Wattenmeer als Teil der Zuiderzee und der Kom südlich einer gedachten Linie zwischen Enkhuizen und Lemmer eingestuft. Die Südgrenze des Wattenmeeres verlief bei Nieuwediep und Den Helder über Kornwerderzand bis zur äußersten Spitze von Nordholland. Nach dem Bau des Afsluitdijk 1932 wurde der noch offene Teil der Zuiderzee dann Waddenzee genannt, später kamen auch das Groninger und friesische Wattenmeer hinzu.

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Wattenmeer-tiere – entdecke das Tierreich des Wattemeergebiets

Das Wattenmeer und dessen Biotope wie Salzwiesen, Muschelbänke und Seegraswiesen spielen seit jeher eine wichtige Rolle als bedeutsamer Lebensraum sowohl für viele Vogel- als auch Fischarten. Vor allem Möwen, Seeschwalben, Löffler, Enten und Gänse sowie weitere Watvögel wie Austernfischer und Kormoran finden hier ihre Nahrung, wenn sie auf die Wattinseln ziehen, dort überwintern oder brüten. Wattflächen beherbergen eine reiche maritime Fauna und Flora, die eine wichtige Nahrungsquelle für diese Vögel darstellen. Es wird geschätzt, dass das Wattenmeer jährlich etwa 10 bis 12 Millionen Watvögel anzieht. Das Gezeitengebiet ist demnach eine nahezu unverzichtbare Station für unzählige Brut- und Zugvögel im Herbst und Winter. Hier legen viele Vögel einen Stopp ein, um sich auf ihre langen Wanderungen in die Winterquartiere in Westafrika oder auch ihre arktischen Brutgebiete zwischen Kanada und Sibirien vorzubereiten. Laut einer Studie des „Koninklijk Nederlands Instituut voor Zeeonderzoek“ NIOZ (Königlich Niederländisches Institut für Meeresforschung) von 2005 ist die Zahl der Wattenmeervögel jedoch seit Jahren stark rückläufig. Insbesondere Arten wie Silberregenpfeifer, Alpenstrandläufer, Rotschenkel und Uferschnepfe haben es mittlerweile schwer, ausreichend Nahrung zu finden. Die Vögel des Wattenmeeres sind in der Vergangenheit durch verschiedene Entwicklungen bedroht worden. Pestizide in der Nahrungskette haben die Seeschwalben im niederländischen Wattenmeer stark reduziert, Landwirtschaft, Fischerei und touristische Freizeitaktivitäten hatten negative Auswirkungen auf viele andere Vogelarten. Deshalb wurden zusätzlich internationale Schutzmaßnahmen ergriffen. Das niederländische Wattenmeer wurde im Jahr 2009 als „Natura-2000-Gebiet“ ausgewiesen und ist Teil des europäischen Systems von Schutzgebieten. Die meisten Wattvogelarten fallen unter das afrikanisch-eurasische Wasservogelabkommen (AEWA) von 1996, das den Schutz von Zugvögeln regelt, die zwingend Feuchtgebiete benötigen. Die Fischbestände im niederländischen Wattenmeer sind seit 1965 ebenfalls erheblich zurückgegangen. 2014 veröffentlichte die NIOZ Messdaten aus 50 Jahren, aus denen hervorgeht, dass Lachs und Rochen nicht mehr vorkommen und die Aalbestände stark zurückgegangen sind. Allerdings nimmt die Zahl der Wolfsbarsche langsam wieder zu.

Nationalpark Wattenmeer – besuche das Naturschutzgebiet und dessen Robben

Im Wattenmeer kommen zwei Arten von Robben vor: der Seehund und die Kegelrobbe. Früher wurden diese Säugetiere gejagt, aber heute sind sie gesetzlich geschützt. Dass dies keine Garantie für das Überleben einer Art war, zeigte sich, als das Staupevirus 1988 die Population von Seehunden im Wattenmeer drastisch dezimierte. Die Verschmutzung der Meere, insbesondere durch Chlorkohlenwasserstoffe und Schwermetalle, ist ebenfalls eine ernste Bedrohung, auch wenn sich die Situation seit den 1980er-Jahren erheblich verbessert hat. Während Kegelrobben durch Jagd im Wattenmeer ausgestorben waren, sich erst in den späten 1980er-Jahren an der niederländischen Küste neu ansiedelten und 2005 einen Bestand von ca. 1500 Tieren aufwiesen, gab es Ende der 1970er-Jahre noch ca. 3.000 Seehunde im Wattenmeer. Aktuell leben im gesamten Wattenmeer etwa 10.000 Exemplare der Art. In den Niederlanden werden heutzutage junge Kegelrobben, die von ihren Müttern verlassen wurden, in den Robbenauffangstationen und Schutzstationen im Wattenmeer „Ecomare“ auf der kleinen Insel im Wattenmeer Texel, Pieterburen in der Provinz Groningen und „A Seal“ bzw. Stellendam in der Provinz Südholland aufgenommen und gepflegt. Die größte natürliche Population von Kegelrobben in den Niederlanden lebt zurzeit mit etwa 1.000 Tieren auf der Sandbank Richel zwischen Terschelling und Vlieland. Kleinere Gruppen bevölkern außerdem wieder das Grevelingenmeer, die Ooster- und Westerschelde sowie das Voordelta in der Provinz Zeeland.

Schutzstation Wattenmeer und weitere Sehenswürdigkeiten für deinen Urlaub

Der 1962 gegründete gemeinnützige Naturschutzverein „Schutzstation Wattenmeer“ für den deutschen Nationalpark Wattenmeer unterhält zwar keine Stationen im Wattenmeer Holland. Konzeptionell vergleichbare Schutzgebiete in den Niederlanden mit dem Status eines UNESCO-Biosphärenreservats sind jedoch der im Jahr 1989 gegründete, heute 54 km² große Nationalpark Schiermonnikoog auf der gleichnamigen Westfriesischen Insel, der 2003 gegründete und 60 km² große Nationalpark Lauwersmeer auf dem Festland und der 2002 gegründete, 43 km² große Nationalpark Duinen van Texel in den Dünen auf der Westseite der malerischen Nordseeinsel mit zahlreichen landschaftlich reizvollen Rad- und Wanderwegen. International bekannte und viel besuchte Attraktionen auf der „Insel der grauen Mönche“ Schiermonnikoog sind das Muschelmuseum „Martjeland“, der Unterkiefer eines 1950 im Eismeer erlegten Wals im Zentrum von Willemshof und die Aussichtsstation Wassermann in einem einstigen deutschen Atlantikwall-Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg am Prins Bernhardweg. Der Nationalpark Lauwersmeer besitzt seit 2016 auch die Auszeichnung „Dark Sky Park“ als Ort ohne Lichtverschmutzung. Bei De Koog am Rand des Nationalparks Duinen van Texel lohnt das große Aquarium und Naturkundemuseum „Ecomare“ einen Besuch.

Wattenmeer Holland – ein Ausflug zum holländischen Wattgebiet ist unvergesslich

Am besten beantworten kannst du dir selber die weiter oben gestellte Frage „Was ist ein Wattenmeer?“ natürlich mit einem Urlaub vor Ort. Das Wattenmeer hält Möglichkeiten für Wassersport aller Art, Ausflugsfahrten mit Booten und Schiffen, ertragreiche Angelreviere, Strände für sommerlichen Badespaß, gemütliche und sehr gastfreundliche Ferienorte mit vielen Unterkünften sowie eine Vielzahl an interessanten Natur- und Kulturdenkmälern als Ausflugsziele für dich parat.

Wattenmeer Strand
Hauptkategorie: Holland Urlaub
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